Uhrengeschäft Paul Brunsch

Druckerei Carl Altmann

Josef Suczyk,
Nähmaschinen und Reparatur

Deutsches Frauenwerk

Radio Kotzem

Schokoladengeschäft
Gerling und Rockstroh

Grabmale – Karl Richter

Hugo Wendt, Perückenmacher,
Damen- und Herrenfrisör

„Adler-Drogerie” Carl Menzel

Victoria-Hotel

Seifengeschäft Klara Biel

Georg Pittius,
Papier- und Schreibwaren

Bäckerei Josef Herrmann

Lebensmittelhandlung
Konstantin Krista

Uhrwarengeschäft
Hans Schubert

Neuer Glogauer Anzeiger, Nummer 6, Juni 2001

Die Preußische Straße – Erinnerungen
2. Fortsetzung

„Elzet” Schulze, Inhaber Georg Schulze, Herrenartikel, war seit etwa den 30er Jahren in der Nr. 11 ansässig. Nur etwa 5 Jahre blieben ihm zur Entfaltung seiner Geschäftsidee, den Glogauer Herren auf die modischen Sprünge zu helfen. Nicht zuletzt haben die Kleiderkarten sein Vorhaben bald blockiert.

Mir blieb es zu alten Zeiten erspart, etwas auf Kleiderkarte kaufen zu müssen. Meine modischen Ambitionen wurden über Jahre hinaus von der Kleiderkammer und später von irgendwelchen Magazinen der Roten Armee neutralisiert. Mal in grau und schwarz und mal in verwaschenem erdbraun, der jeweiligen Ideologie entsprechend.

„Elzet” Schulze gab es übrigens nach dem Krieg wieder, im Berliner Westen auf der Potsdamer Straße. Ich habe ihm dort, in seinem neuen Geschäft, einmal guten Tag gesagt. Möglicherweise existiert das Geschäft noch heute an dieser Stelle, in den Händen seines Sohnes, geboren in Glogau.

So war das damals, als die Herrenwäsche grau wurde, mit dem Gilb der Jahre, dem erst viel später die Unilever-Chemiker wieder zu strahlendem Weiß verhalfen.

Das Kaufhaus Haurwitz in der Preußischen Straße. Zeichnung von Hans Gatzka (1998).

Ein Uhrengeschäft, dessen Inhaber Paul Brunsch hieß und mit dessen Existenz ich leider nicht viel anzufangen weiß, weil ich ja ganz auf Herrn Schuberts heilende Hände fixiert war, gab es neben Elzet Schulze, gleich darauf die Druckerei Carl Altmann in der Nr. 13.

Welch edles Gewerbe war also in der Preußischen Straße zu Hause. Buchdruck, ein künstlerisches Handwerk, dessen klassische Gestaltung nicht nur dem geistig-kreativen Inhalt der Seite die schöne Form verleiht.

Die Altmanns waren mir eine wohlbekannte Glogauer Familie. Vor wenigen Jahren traf ich während eines Aufenthalts in Erfurt Gerhard Altmann, den Junior, hocherfreut wieder. Er war Ministrant in der Pfarrgemeinde St. Nikolaus, wie ich. Ein Foto aus Kindertagen, vom Fotograf Herrn Andrick höchstpersönlich auf die Platte gebannt, besitze ich seit dieser Begegnung. Viele bekannte Gesichter finden sich darauf wieder. Bruchstücke aus glückhafter Zeit.

Hinter den Hausnummern 14, 15 + 16 verbergen sich die Namen Josef Suczyk, Nähmaschinen und Reparatur, „Deutsches Frauenwerk”, hauswirtschaftliche Beratung und Radio Kotzem.

Vermutlich haben im Laufe der Jahre Umbesetzungen stattgefunden, bzw. hatte die Partei ihre Hand im Spiel, wie im Falle des Frauenwerks.

Nun hat es auch noch angefangen zu regnen, und ich stelle mich in den nächsten schützenden Eingang. Gerling und Rockstroh lese ich. Auch ohne diesen Hinweis hätte ich gewusst, wo ich mich befinde. Pralinen und Schokoladiges in feinster Qualität. Es ist eine Art von Auslagen, an denen ich schon als Jugendlicher nicht ohne Verzichtermine vorbeikam. Dabei hatten zu dieser Zeit die guten Vorsätze noch nicht das gewichtige jetzige Wort wie etwa heute. Es war mehr ein finanzielles Problem, das es zu bewältigen galt. Meist reichte es ohnehin nur für 100 Gramm Nussbruch. Für eine süße Erinnerung an den kleinen Schokoladenladen hat es jedenfalls bis heute gereicht.

Brigitte Horney, Schaufensterdekoration im Kaufhaus Haurwitz.

Grabmale – Karl Richter, Steinmetzmeister. Auch das gab es mitten im lebendigen Treiben dieser Straße. In einem Schaufenster, ausgelegt mit weißem Marmorgranulat, standen die schweren Monumente in schwarz, grau oder rotem Gestein. Poliert oder schlicht die Oberflächen, gemacht und gedacht für die Ewigkeit. – Für die Ewigkeit?

Wo sind die großen und kleinen Granite, Basalte, Sand – und Marmorsteine alle geblieben? Sieben Friedhöfe gab es in Glogau. Auf diese Frage gibt es heute so wenig eine plausible Antwort, wie vor 50 Jahren als die „Verwaltung” begann.

In der Nr. 19 ging es dann wieder ganz lebendig zu. Hugo Wendt, Perückenmacher, Damen- und Herrenfrisör. Weil Dralon, Nylon und sonstige Kunsthaare noch nicht einmal erfunden waren, musste Herr Wendt noch auf das einzig verfügbare Material zurückgreifen, Naturhaar. Entsprechend war vermutlich der Preis für so ein Schmuckstück.

Bevor nur die „Adler-Drogerie” Carl Menzel erreicht ist, öffnete sich nach rechts die „Menzel Passage”. Ging man hindurch, sah man sich nach wenigen Schritten auf der Grütznerstraße dem Kaufhof gegenüber.

Die „Menzel-Drogerie” war eine Fachdrogerie, ein Geschäftstyp, den es heute wohl nicht mehr gibt, obgleich das Berufsbild des Drogisten noch existiert. Allein das Äußere des Geschäftes machte auf mich immer einen besonderen Eindruck. Viel blank geputztes Messing und Glas muss es wohl gewesen sein.

Im gleichen Hause befand sich im 1. und 2. Stockwerk das Victoria-Hotel.

Schaufensterdekoration im Kaufhaus Haurwitz mit der Schauspielerin Martha Eggert.

Bis zur Tscharnke-Ecke, zum Ausgangspunkt des Weges durch die Preußische Straße, passieren wir nun noch 5 Adressen: Im Haus Nr. 21 gab es das Seifengeschäft von Klara Biel. In der Nr. 22 verkaufte Georg Pittius Papier- und Schreibwaren und in der Nr. 23 befand sich die Bäckerei von Bäckermeister Josef Herrmann.

In den letzten beiden Häusern ist unter Nr. 24 die Lebensmittelhandlung von Konstantin Krista genannt und in der 25 das „Uhrwarengeschäft” von Hans Schubert.

Hierbei zeigt es sich, dass meine Erinnerung mit den Eintragungen des Adressbuches von 1943 nicht in allen Einzelheiten übereinstimmt. Die Schubladen einer Straße öffnen und schließen sich ständig.

Meister Schubert ist inzwischen auf die südliche Straßenseite gezogen. Die Tscharnke-Ecke steht aber noch am alten Platz, weil die Erinnerung es so will.

„Glogau sei eine Hölle, die Stätte der Verdammten!” so schrieb der Landeshauptmann zu Andreas Gryphius' Zeiten an den Kaiser Ferdinand. Es wurde noch einmal zur traurigen Realität.

In einer Hölle verbrennen selbst die Steine!

Hans Gatzka

Schaufenster am Kaufhaus Haurwitz.

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